Die Nordmainische S-Bahn stellt sich vor, Teil 4: Das Projekt zusammenhalten

Sie behalten die Kosten und das große Ganze im Blick: Im letzten Teil unserer Serie zur Nordmainischen S-Bahn geben die Projektsteuerin Andrea Henning und Controllerin Cornelia Sander interessante Einblicke in ihre Arbeit. Im Interview sprechen sie über bevorstehende Stresstests und Besprechungen, die auch mal eine Woche dauern, und warum jetzt auch ein Vertragsmanager das Team unterstützt.

Andrea Henning und Corinna Sander (links) haben das gesamte Projekt mit allen drei Teams im Blick. Sie behalten die Schnittstellen, die Termine und die Kosten genau im Auge. (Fotos: DB/Iris Klose)
Andrea Henning und Corinna Sander (links) haben das gesamte Projekt mit allen drei Teams im Blick. Sie behalten die Schnittstellen, die Termine und die Kosten genau im Auge. (Fotos: DB/Iris Klose)

Frau Henning, Frau Sander, Sie kümmern sich beim Großprojekt Nordmainische S-Bahn um Projektsteuerung und Controlling. Wie sehen Ihre Aufgaben aus?

Andrea Henning: Projektsteuerung für ein Großprojekt bedeutet, erstens den Gesamtüberblick zu behalten, zweitens das ganze Team zusammenzuhalten und nicht zuletzt das Projekt schnittstellenübergreifend zu lenken. Grundsätzlich achten wir darauf, dass Kosten, Qualität und Termine eingehalten werden. Die NMS ist ein sehr komplexes Projekt, dass zwischenzeitlich durch drei Einzelteams, die sich an den drei Bau- oder Planfeststellungsabschnitte orientieren, betreut wird. Sie agieren für ihren Bereich jeweils eigenverantwortlich. Meine Aufgabe ist, die Teams, alle Gewerke und die dazugehörigen Schnittstellen im Blick zu haben und zu schauen, dass alles terminlich ineinandergreift. Dies ist schon eine besondere Herausforderung.

Cornelia Sander: Ich kümmere mich um die Kostensteuerung, habe also die Kosten des gesamten Projekts wie etwa Bau- und Planungskosten im Blick. Es gibt für die jeweiligen Phasen und Leistungen des Projekts verschiedene Töpfe, aus denen die Gelder kommen und die miteinander koordiniert werden müssen. Dabei hat jeder Teilbereich seine eigene Finanzierung. Und irgendwann ist ein Topf vielleicht auch mal leer. Das müssen wir dann rechtzeitig wissen, damit wir gegensteuern können.

Inwiefern stimmen Sie sich mit Ansprechpartner:innen außerhalb der DB ab?

Cornelia Sander: Wir haben unsere Ansprechpartner:innen bei den Geldgebern, zum Beispiel dem Land Hessen oder dem Bund. Das betrifft sowohl den kaufmännischen Bereich als auch die Projektsteuerung. Hier kann es natürlich auch mal Uneinigkeiten oder Interessenskonflikte geben, die wir dann lösen müssen. In der Regel finden wir aber immer einen Kompromiss.

Andrea Henning: Ich komme gerade aus einer Besprechung mit den Leitungsbetreibern. Ziel ist, das im Rahmen der Baufeldfreimachung vorab die Leitungen umverlegt werden. Momentan liegt der Fokus der Leitungsumverlegung auf den Bereich, wo die Station Frankfurt Ost Tief erstellt werden soll. Allein dafür gibt es riesigen Abstimmungsbedarf. Damit sind zwei Kollegen komplett eigenständig eingebunden.

Andrea Henning (rechts) ist seit 2012 bei der DB. Bevor sie im Oktober 2020 die Projektsteuerung für das Großprojekt Nordmainische S-Bahn übernahm, arbeitete sie bis zur Inbetriebnahme für die Ausbaustrecke (ABS) Hanau-Nantenbach und später für die ABS Hanau-Gelnhausen.

Cornelia Sander (links) ist Senior-Projektkauffrau und seit 2021 als Controllerin für die Nordmainische S-Bahn dabei. Davor begleitete sie den Bau des Homburger Damms. Sie kam im November 2016 zur DB. (Foto: DB AG/Iris Klose)

Das klingt nach einer großen Herausforderung. Mit welchen Themen haben Sie bei der Planung der Bauabschnitte gerade noch zu tun?

Andrea Henning: Wir sind in der Vorbereitung für den Stresstest des Planfeststellungsabschnittes 3. Ein wesentlicher Teil dabei ist die Finalisierung der Kostenpläne. Da sind alle Beteiligte im intensiven Austausch, um bei der engen Terminkette rechtzeitig fertig zu werden. In vielen Fällen reicht ein Meeting nicht aus, um eine Lösung zu finden. Wir haben für manche Themen auch schon mal eine ganze Woche zusammengesessen, bis wir eine Lösung hatten.

Cornelia Sander: Und wir sind gerade dabei, Kosten zu ermitteln, um die Anträge bei den entsprechenden Behörden zu stellen etwa dem Eisenbahnbundesamt. Jetzt geht es darum, die Gelder genehmigt zu bekommen, die wir später ausgeben wollen! Und wir haben regelmäßig Risikobesprechungen, bei denen wir uns bestehende und womöglich kommende Risiken genau anschauen und bewerten.

Und was passiert im Anschluss an die Planungsphase?

Andrea Henning: Wir sind für den Bauabschnitt 1 schon dabei, die Ausschreibungsunterlagen für die Bauleistung Tunnel Rohbau vorzubereiten. Wenn der Planfeststellungsbeschluss vorliegt, auf den wir bald hoffen, können wir direkt in die Ausschreibungen für die Baufirmen gehen. Das wird auch eine anspruchsvolle Aufgabe. Am Ende werden sehr viele Firmen auf der Nordmainischen S-Bahn parallel, Strecken übergreifend und nacheinander tätig sein. Für das Vertragsmanagement haben wir seit dem letzten Jahr einen Vertragsmanager im Team, der sich allein um das Thema Ausschreibungsunterlagen und später um das Nachtragsmanagement kümmert, also um nachträgliche Leistungsänderungen. Die Koordination dann später vor Ort wird eine hochinteressante Aufgabe.

Das klingt komplex.

Cornelia Sander: Das stimmt. Aber einfach kann jeder! Genau diese Komplexität macht den Reiz unserer Aufgaben aus.

Was bedeutet Ihnen das Projekt persönlich und worauf freuen Sie sich in diesem Jahr?

Andrea Henning: Das Spannende für mich ist, bald in die Bauausführung einzusteigen, daran mitzuwirken und zu sehen, wie sich die Baustellen entwickeln.

Cornelia Sander: Genau! Wir sind alle hier, weil wir dasselbe wollen, nämlich, dass auf dieser Strecke Züge fahren. Auch wenn jetzt viel zu tun ist und es bei so vielen Projektbeteiligten auch immer wieder Reibungspunkte gibt, werden wir das gemeinsam hinbekommen. Und am Ende, wenn die Nordmainische S-Bahn fährt, können wir sagen: Wir waren dabei und haben es möglich gemacht!

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